Richtig für die Rente sparen

Published on 17. October 2019
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Richtig für die Rente sparen

Alt und arm ist nicht sexy. Wer später ein gutes Leben haben will, muss heute schon für morgen sparen: Warum es für die Altersvorsorge nie zu früh (oder zu spät ist) und wie du Schritt für Schritt ans Ziel kommst.

Sparst du schon oder verdrängst du noch? Wer unter 30 ist, hat meist andere Prioritäten als die Altersvorsorge: Nur ein Drittel der Millenials spart für die Rente – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Versorgungswerks Metallrente. Das Paradoxe: Zwei Drittel der Befragten im Alter von 17 bis 27 Jahren haben Angst vor Altersarmut. Dabei ist das Thema zwar unbeliebt, aber wichtig. Die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland hat sich seit der Nachkriegszeit deutlich verändert und bietet längst nicht mehr die Sicherheit, auf die viele Versicherte immer noch bauen. Die Bundesregierung machte unlängst deutlich, „dass die gesetzliche Rente zukünftig allein nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard des Erwerbslebens im Alter fortzuführen.“

Schreckgespenst Altersarmut

Gleichzeitig hat sich die Arbeitswelt radikal verändert – und macht es gerade Jüngeren schwer, sich um ihr Geld oder ihre Rente zu kümmern: „Niedrige Einkommen und befristete Arbeitsverhältnisse erschweren es jungen Leuten heute, regelmäßig für ihr Alter zu sparen und systematisch Vorsorge zu betreiben“, so Heribert Karch, Geschäftsführer Metallrente. Dabei sei den meisten klar, dass ohne eine eigenständige Versorgung künftig deutlich mehr Menschen von Altersarmut betroffen sein werden – 85 Prozent stimmten dieser Aussage zu.

Besonders Frauen sind von Altersarmut bedroht, weil ihre Erwerbsbiografien häufiger unterbrochen sind als die von Männern. Bedeutet: Wer fürs Kind aus dem Job aussteigt oder längere Zeit nur Teilzeit arbeitet, muss mit Nachteilen bei der Rente rechnen. Und obwohl junge Frauen inzwischen eindeutig die besseren Bildungsabschlüsse haben, schneiden sie im Bereich der langfristigen finanziellen Vorsorge im Vergleich zu jungen Männern weiterhin schlechter ab, konstatiert der Soziologe Klaus Hurrelmann, der die Studie wissenschaftlich begleitete.

Der frühe Sparer…

Ob xy- oder xx-Chromosom: Das Thema Altersvorsorge steht in der To-do-Liste bei vielen ganz unten. Dabei wäre statt „Morgen ist auch noch ein Tag“ die Devise „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ sinnvoller: Wer frühzeitig die Altersvorsorge plant, kann als Sparer noch von langen Laufzeiten profitieren. „So lässt sich die Zeit bis zur Rente nutzen, um kleinere Monatsraten einzuzahlen und mehr Risiko zu wagen“, schreibt die Versicherungskammer Bayern.

Codewort Rentenbescheid

Schritt 1 im Rentencheck ist der Rentenbescheid. Absender des Schreibens, das jährlich in deinen Postkasten flattert, ist die Deutsche Rentenversicherung. Mehrere Seiten Papier, viele Zahlen und Bürokratendeutsch – seufz. Wer jetzt direkt wieder abschlafft, macht einen Fehler: Der Rentenbescheid informiert dich nicht nur über die Höhe der monatlichen Rente, sondern auch darüber, wie sich diese errechnet. Also genau hinschauen: So kannst du eventuelle Berechnungsfehler frühzeitig erkennen und zeitnah (der frühe Vogel und so) weitere Vorkehrungen für den Ruhestand treffen.

Finde die Rentenlücke!

Eine private Altersvorsorge ist heute mehr als „nur” eine zusätzliche Kapitalleistung im Alter, betont die Deutsche Rentenversicherung: „Die erreichten Renten sollen und müssen im Alter die Absicherung der Deutschen Rentenversicherungen, der Versorgungswerke und der betrieblichen Altersversorgung ergänzen, um Altersarmut zu vermeiden.“ Finde die Lücke: Mit einem Rentenrechner kannst du errechnen, wieviel Geld dir später einmal fehlen wird, um anschließend zu planen, was du bis zum wohlverdienten Ruhestand zusätzlich zur Seite legen musst. Der Fondsverband BVI und die Stiftung Warentest bieten zum Beispiel solche Rechner online an.

Sicherheit vs. Ertrag

Nächster Schritt: Mach dir klar, was du willst. Denn jeder setzt je nach Einkommen und Lebenssituation bei der Altersvorsorge andere Prioritäten – beispielsweise bei dem Verhältnis von Sicherheit zu Ertragschancen. Neben Wertpapieren, Fonds oder Immobilien werden auch Versicherungen als Vorsorgeprodukte angeboten. Dazu zählen die Kapitallebensversicherung, die private Rentenversicherung sowie fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen. Einen guten Überblick über die entsprechenden Vor- und Nachteile bietet die deutsche Verbraucherzentrale.

Beratung vom Profi

Dir schwirrt jetzt schon der Kopf? Ob Single und Berufsanfängerin oder Drillingspapa in Teilzeit: Wer Unterstützung bei der Planung der Altersvorsorge braucht, kann zum Beispiel den Online-Vorsorgerechner der Deutschen Rentenversicherung Bund anklicken oder sich in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen unabhängig beraten lassen. Einen Marktüberblick geben auch gerichtlich zugelassene, beziehungsweise behördlich genehmigte Versicherungsberater.

Hohe staatliche Zulagen

Die gute Nachricht: Du musst in Sachen Altersvorsorge nicht alles ganz allein stemmen, denn es gibt auch staatliche Unterstützung. Zum Beispiel bei der Riester-Rente. Für Singles mit gutem Einkommen ist die steuerliche Förderung der Riester Rente interessant und kinderreiche Familien profitieren von hohen staatlichen Zulagen. Du bist fest angestellt? Glückwunsch, dann besteht ein Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung über den Arbeitgeber – also darauf, dass Teile deines Lohns oder Gehalts für eine spätere Betriebsrente gespart werden. Dank staatlicher Förderung kann sich der Beitrag, der in die Betriebsrente fließt, sogar verdoppeln.

Für Beamte, gutverdienende Arbeitnehmer, Selbstständige und Freiberufler ist die Rürup-Rente – auch Basisrente genannt – eine Möglichkeit zur privaten Altersvorsorge. Dabei bekommst du lebenslang eine monatliche Rente und kannst die Beiträge während der Ansparphase steuerlich absetzen.

Sofort in Rente

Täglich Kaviar futtern und mit dem Maserati durch die Fußgängerzone cruisen, kann auf Dauer auch öde sein. Wer eine größere Summe auf dem Bankkonto hat, sei es durch eine Abfindung, eine Erbschaft oder als frisch gebackener Startup-Millionär, hat die Möglichkeit, in eine Sofortrente zu investieren. Das Prinzip dahinter: Einmal einzahlen und sofort eine lebenslange garantierte Rente erhalten. Die Sofortrente lohnt sich für alle, die davon ausgehen, dass sie einmal auf ein sicheres Einkommen zur gesetzlichen Rente angewiesen sein werden. Ein Nachteil dieser Anlageform ist, dass es nur geringe Zinsen aufs eingesetzte Kapital gibt. Ein Ratgeber zur Sofortrente findet sich beispielweise bei Finanztip.

Zum Schluss noch ein Hinweis, um den berühmt-berüchtigten inneren Schweinehund auszutricksen: Wer sich schwertut, jetzt schon an die Rente zu denken, kann die Altersvorsorge auch einfach als „langfristige Form der Vermögensbildung“ (O-Ton Verbraucherzentrale) angehen…