Aktien Crashkurs

Published on 16. April 2019
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Aktien-Kauf? Check ich!

In Zeiten von Schrumpf-, Null- und Negativzinsen sind Aktien wichtig für den erfolgreichen Vermögensaufbau. Gleichzeitig ist diese Anlageform nur etwas für gut Informierte. Wie, wo, was? Antworten auf die wichtigsten W-Fragen zum Thema Aktien.

 

 

Viele Deutsche haben es schon getan: Aktien kaufen. 10,3 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger halten Anteilsscheine von Unternehmen oder Aktienfonds. Das ist die höchste Zahl seit der Finanzkrise im Jahr 2007. „Das Interesse an Aktien hat sich in den letzten Jahren spürbar verfestigt“, stellt das Deutsche Aktieninstitut zwar fest. Trotzdem seien die Deutschen noch weit davon entfernt, ein Volk von Aktionären zu sein. Nach wie vor spiele die Aktie bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge eine eher untergeordnete Rolle, merkt der Interessenverband an: „Die Deutschen legen ihr Geld statt in Aktien immer noch viel zu häufig unverzinst oder sehr niedrig verzinst auf dem Girokonto und Sparbuch an oder setzen auf Versicherungssparen“. Knapp 10 Prozent des gesamten Privatvermögens, so die Bundesbank, investieren die Deutschen in Aktien.

 

Crashkurs in Sachen Aktien

Während sie einerseits sparen wie die Weltmeister – 6 Milliarden Euro hatten deutsche Privathaushalte laut Deutscher Bundesbank zum Ende des dritten Quartals 2018 auf der hohen Kante – bleiben sie beim Investment in Aktien skeptisch. 65 Prozent der Nicht-Aktienbesitzer sehen Aktien als zu riskant an. Zudem wissen nur 19 Prozent, dass die Aktienanlage auch schon bei kleinen Anlagebeträgen sinnvoll ist. Die Studie zeigt aber auch, dass der konkrete Kontakt mit der Aktienanlage – also persönliche Erfahrung – ein deutlich realistischeres Bild vermittelt und Skepsis aufbrechen kann. Höchste Zeit also für einen Crashkurs in Sachen Aktien und Antworten auf die wichtigsten W-Fragen!

 

Was ist eine Aktie?

„Ich bin Teil-Eigentümer mehrerer Unternehmen.“ Diesen Satz kannst du als Aktienbesitzer locker in den Party-Smalltalk einflechten – ohne zu lügen. Denn: Aktien sind Anteile an Unternehmen, die als Aktiengesellschaft (oder kurz AG) organisiert sind. „Wer eine Aktie kauft, wird dadurch als Aktionär Miteigentümer am Grundkapital des Unternehmens“, schreibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in ihrer Erklär-Rubrik „Aktie auf einen Blick“.

 

 

Wie entsteht der Aktienkurs?

Vor dem „Wie“ kommt das „Wo“: Aktien werden an Börsen gehandelt. Durch die Börse können Wertpapiere aller Art – dazu zählen neben Aktien zum Beispiel Anleihen oder Pfandbriefe – gehandelt werden. Aber auch Waren, Produkte, Rohstoffe und sogar elektrischer Strom wird über eine Börse gehandelt. An der Börse werden Kauf- und Verkaufsangebote über Vermittler zusammengebracht und nach festen Regeln und Gesetzen abgewickelt. Es gilt das Marktplatzprinzip: Überwiegen Kaufangebote, steigt der Kurs der Aktie. Gibt es mehr Verkaufsangebote, rutscht der Kurs ab. Die mit Abstand größte Börse der Welt ist die New York Stock Exchange – bekannt als Wall Street – mit einem Handelsvolumen von 3,3 Milliarden US-Dollar.

 

Warum sprechen die im Fernsehen immer vom Aktienindex?

Der Dow Jones Index, der älteste und bekannteste Aktienindex der Welt, umfasst 30 Aktienwerte, die an der NYSE notiert werden. 1884 erfanden Charles Dow, Herausgeber des „Wall Street Journal“, und der Statistiker Edward Jones den Vorläufer des heutigen Dow Jones mit elf Werten. Die Idee dahinter, die bis heute Bestand hat: Mit dem Index lässt sich mit nur einer Zahl ein komplettes Börsengeschehen abbilden. Anleger sehen auf einen Blick, in welche Richtung sich die Börse entwickelt, ohne eine Vielzahl von Kursen zu vergleichen. Der wichtigste deutsche Leitindex ist der DAX (Deutsche Aktienindex).

Topchecker-Bonuswissen: Seit dem Jahr 2000 existiert sogar eine Börse für Wein, die Londoner Liv-ex. Als Benchmark gilt der Index „Fine Wine 100“, der 100 Spitzenweine und Champagner umfasst.
 

Wie werde ich Aktionär?

Im 17. Jahrhundert machte die Idee Furore, einem breiten Publikum die finanzielle Beteiligung an Unternehmen zu erlauben. Die erste Aktiengesellschaft der Welt war übrigens die 1602 gegründete "Niederländische Ostindien-Kompanie“. Damals bekamen Anleger noch ein reich geschmücktes „Wertpapier“ in die Hand. Heute liegen virtuelle Aktien im Depot – ein weiteres wichtiges Wort im Finanz-Alphabet. Denn für den Start in den Wertpapierhandel benötigst du zunächst ein, genau: Wertpapierdepot. In dem virtuellen Lager bewahrt die Bank für ihre Kunden Wertschriften auf.

Tipp: Wer erstmal üben will, kann sich bei vielen Banken und Brokern auch ein kostenloses Musterdepot anlegen.

Zu einem echten Depot gehört immer ein Verrechnungskonto: Darüber werden Käufe und Verkäufe abgewickelt sowie Dividenden gezahlt. Wer als Privatanleger Aktien selbst kaufen will (und nicht die Bank damit beauftragen will, dies zu tun) braucht ein Depot bei einer sogenannten Direktbank. Das bedeutet: Volle Kontrolle beim Aktienkauf – und volles Risiko.

 

 

Wann bringen Aktien Geld?

Als Anleger nimmst du durch deine Aktien teil an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens. Und die kann positiv oder negativ sein. Bei Aktien gilt: Keine Rendite ohne Risiko. Jeder trägt Verluste bis zur Höhe seiner Anlage mit. „Wird das Unternehmen insolvent, können die Aktien wertlos werden“, darauf weist die BaFin hin. Die Bundesanstalt mit Sitz in Frankfurt am Main ist für den Schutz der Verbraucher im Bereich der Finanzdienstleistungen zuständig.

Doch wo Risiken sind, warten auch Chancen: Aktien sind vor allem für gut situierte Anleger eine sinnvolle Ergänzung ihres Vermögens, so die Einschätzung von Stiftung Warentest. Neben der Aussicht auf Kursgewinne locken zudem regelmäßige Dividenden – so nennt man die jährliche Gewinnausschüttung von Aktiengesellschaften an ihre Aktionäre. Macht das Unternehmen gute Geschäfte, kann die Hauptversammlung (das ist das jährliche Treffen aller Aktionäre zur Information und Beschlussfassung) entscheiden, Teile der Gewinne als Dividende an die Anleger auszuschütten.

 

Welche Alternativen zu Einzelaktien gibt es?

Eine Anlagevariante mit einer gewissen Risikostreuung sind Aktienfonds: Diese kaufen in der Regel mehrere verschiedene Aktientitel, die ins Portfolio aufgenommen werden und sind weniger schwankungsanfällig als Einzelaktien. Aktienfonds werden nicht an der Börse gehandelt. Eine Ausnahme bilden sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), die meist einen bestimmten Aktienindex nachbilden.


 

Was kostet der Aktienkauf?

Kauf, Verwahrung und Verkauf von Aktien sind mit Gebühren verbunden. Kursgewinne aus Aktien oder Dividenden von Aktiengesellschaften sind zudem steuerpflichtig. Zur Grundregel des erfolgreichen Anlegens gehört deshalb, die Kosten im Blick zu halten. Auch regelmäßige Verwaltungskosten von Investmentfonds, Abschlusskosten und Depotgebühren bei Banken schmälern das Plus. Ein Grund für die Beliebtheit von ETFs sind die verhältnismäßig niedrigen Kosten, vor allem im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds.
 

Welche Aktien sind die besten?

Das ist eine echte Fangfrage! Aktientipps sind immer ein Blick in die viel zitierte Glaskugel. DAS lukrative Investment gibt es nicht – genauso wenig wie ein Geheimrezept, um Gold herzustellen. Orientierung im Aktien-Dschungel bietet ein Ratschlag von Warren Buffett: „Never invest in a business you can’t understand.” Der US-Multimilliardär und CEO des Investment-Unternehmens Berkshire Hathaway handelt nach der Devise: Nur investieren, wenn man das Investment auch wirklich versteht. Vor dem Aktienkauf sollte man sich nach Buffets Logik (die auch „Finanzdiva“ Kate Eckhardt teilt) fragen: Was produziert die Firma? Womit verdient sie ihr Geld? Welche Chancen kann die Zukunft bringen? Denn nur wenn keine Fragen offenbleiben, ist man in der Lage, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen – und kann sich nach dem Kauf hoffentlich über einen Kursanstieg freuen.